In diesem HÜNGSBERG Blogartikel erläutern wir Ihnen die wichtigsten Aspekte von ViDA – von dessen Ansätzen und Zielen über Herausforderungen bis hin zu Hilfestellungen für Unternehmen, um die Umsetzung von ViDA im Tagesgeschäft zu bewältigen. Von der Beseitigung des derzeitigen Flickenteppichs der elektronischen Rechnungsstellung über die Bewältigung der Komplexität in Bezug auf Plattformen bis hin zu der Vereinfachung der Mehrwertsteuerregistrierung in mehreren Ländern.
Wofür steht ViDA?
Die Abkürzung ViDA steht für „VAT in the Digital Age“ und ist ein Maßnahmenpaket der EU-Kommission zur Änderung der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie (Richtlinie 2006/112/EG, MwStSystRL) zur Modernisierung des aktuellen Mehrwertsteuersystems auf EU-Ebene.
Warum ist ViDA notwendig?
Alle Akteure sind sich einig, dass die derzeitigen MwSt.-Vorschriften veraltet und für eine adäquate Steuerkontrolle nicht mehr ausreichend sind und daher modernisiert werden müssen. Daher wurde die ViDA-Initiative von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen.
Welchen Ansatz und welches Ziel verfolgt ViDA?
Das vorrangige Ziel von ViDA ist die Modernisierung des aktuellen Mehrwertsteuersystems auf EU-Ebene durch die Schaffung eines EU-weiten, einheitlichen Rahmenwerks. Generell wird ein mehrdimensionaler Ansatz verfolgt, der im Kern folgende drei Zielbereiche umfasst:
- Reduktion des geltenden Mehrwertsteuergefälles
- Effizienzsteigerung sowie Vereinfachung des aktuellen Mehrwertsteuerprozesses z.B. bei der Registrierung
- Optimierung und Verbesserung der Datenanalyse als Grundlage zur fairen Berechnung und Verfolgung von Straftaten
Konkrete Maßnahmen zur Zielerreichung:
Folgende Maßnahmenpakete zur Zielerreichung sind seitens der EU-Kommission geplant:
Digitale Meldepflichten
ViDA möchte den derzeitigen Flickenteppich der Vorschriften zur elektronischen Rechnungsstellung (=E-Invoicing) sowie zur Echtzeit-Berichterstattung (=E-Reporting) innerhalb der EU beenden. Hier kommen Meldepflichten, die sog. Digital Reporting Requirements, auch DRR genannt, ins Spiel. Der Vorschlag sieht die Einführung eines standardisierten Systems vor, bei dem die elektronische Rechnungsstellung das Standardformat für innergemeinschaftliche Transaktionen wird. Dadurch wird eine Echtzeit-Berichterstattung für jede einzelne Transaktion möglich, die das derzeitige System der zusammengefassten Berichte ersetzt. Zu den Vorteilen gehören eine effizientere Steuererhebung und eine größere Transparenz.
Plattformökonomie
ViDA ist sich der Herausforderungen bewusst, die die Erhebung der Mehrwertsteuer im Bereich der Dienstleistungsplattformen oder Marktplätzen wie Airbnb oder Uber mit sich bringt, in der Unternehmen Transaktionen erleichtern, jedoch nicht unbedingt die direkten Verkäufer sind. Der Vorschlag untersucht das Konzept von „fiktiven Lieferanten“ („deemed supplier“) für bestimmte Transaktionen, wie z.B. Unterkünfte, Transport und digitale Dienstleistungen. Dadurch könnte die Plattform für die Erhebung und Abführung der Mehrwertsteuer bei bestimmten Transaktionen verantwortlich gemacht werden.
Einheitliche Mehrwertsteuerregistrierung in der EU
ViDA schlägt ein vereinfachtes System mit einer einzigen Mehrwertsteuerregistrierung für EU-weit agierende Unternehmen vor, die sich bisher in jedem Land einzeln registrieren mussten. Diese Maßnahme allein führt zu erheblich geringeren administrativen Belastungen für diese Unternehmen.
ViDA-Zeitplan: Die wichtigsten Fakten, Meilensteine und Zeitpläne:
Ein Verständnis der Herausforderungen und des Zeitplans von ViDA ist für Unternehmen und Regierungen gleichermaßen von Bedeutung, um sich auf die bevorstehenden Änderungen vorzubereiten. In der folgenden Graphik haben wir für Sie die wichtigsten Fristen, Fakten und Meilensteine der ViDA-Initiative visuell zusammengefasst:

Zeitlicher Rahmen zur ViDA-Einführung | HÜNGSBERG
ViDA: Aktueller Stand und Auswirkungen
ViDA und dessen Regelungen betreffen allerdings nicht nur EU-weite Mehrwertsteuerregelungen, sondern wirken sich auf ganz Europa aus. Dies kann Anpassungen an das EU-Modell und infolgedessen hohe Investitionen bzw. System- bzw. Prozessänderungen für bestimmte Länder nach sich ziehen.
Diskussion um flexiblere Implementierungspläne
Die grobe Timeline der in Kraft tretenden Maßnahmen ist bekannt, allerdings kann es zu Verzögerungen im Umsetzungszeitplan kommen. Solche Änderungen können z.B. zeitliche Änderungen der Rahmenbedingungen oder auch Änderungen technischer Spezifikationen zur Rechnungsstellung, Meldezeiträumen usw. sein. Diese Anpassungen beeinflussen dann auch die Unternehmen bzw. deren strategische und operative ViDA-Maßnahmen. Insbesondere Länder mit bereits bestehenden Systemen kann ggf. eine Übergangsfrist eingeräumt werden, um sich schrittweise an das EU-weite ViDA-Maßnahmenpaket anzupassen und Störungen, Kostenexplosionen bzw. administrativen Aufwand möglichst gering zu halten. Solche Verzögerung könnten in Unternehmen folgende Prozesse beeinflussen:
- Planung von Ressourcen und Budget
- Korrekter Umgang mit sich ändernden oder sogar konträren Vorgaben
- Testen halbfertiger Lösungen für die E-Rechnung
Daher ist es entscheidend, diese Entwicklung genau zu verfolgen, um regulatorische Anpassungen frühzeitig zu erkennen und sich auf veränderte europäische Mehrwertsteuerregelungen vorzubereiten.
Vorteile des neuen Mehrwertsteuersystems durch ViDA
Folgende wichtige Benefits für Unternehmen im B2B-Sektor werden seitens der Europäischen Kommission durch ViDA erwartet:
- Reduzierte Kosten der Einhaltung von Steuervorschriften
- Geringere Bearbeitungskosten durch Digitalisierung
- Steuerbetrugs-Bekämpfung und daraus resultierende Mehreinnahmen für EU-Staaten
- Höhere Effizienz und Transparenz bei Steuerkontrollen
Diese Vorteile ergeben sich durch die Anwendung einheitlicher, EU-weit geltender Regeln. Durch den Einsatz von Technologie kann ViDA die Steuererhebung vereinfachen, die administrativen Belastungen für Unternehmen reduzieren und gegen Steuerbetrug gezielter vorgehen. Zudem kommen weitere Vorteile mit ViDA hinzu, etwa eine verbesserte Nachhaltigkeit aufgrund der Digitalisierung und des Wegfalls von Postrechnungen, die Verbesserung des zwischenstaatlichen EU-Handels, eine Beschleunigung der Einführung der DDR (= Digital Reporting Requirements) durch einheitliche EU-Standards. Auch für Regierungen ergeben sich durch ViDA viele Vorteile. Regierungen können z.B. ihre Steuerverwaltung vereinfachen sowie Einnahmen steigern. ViDA stellt daher für alle Stakeholder die Basis für ein EU-weites, effizienteres und harmonisiertes Mehrwertsteuersystem im digitalen Zeitalter dar.
Wie wirkt sich ViDA auf Ihre Unternehmensprozesse und Ihr Geschäft aus?
Das kommt ganz auf Ihre Ausgangslage an. Haben Sie sich bereits mit den Rechnungsformaten XRechnung und ZugFeRD auseinandergesetzt, die notwendigen Fristen und Regelungen im Blick und einen starken Partner zur Implementierung zur Seite? Dann sind Sie bereits gut vorbereitet. Wenn nicht, sollten Sie handeln.
Unser Tipp: Bereiten Sie sich rechtzeitig auf alle bevorstehenden E-Rechnung-Pflichten bzgl. der ViDA-Initiative vor. Handeln Sie Jetzt und besprechen Sie Ihre Fragen, Herausforderungen und mögliche Lösungen mit unserem HÜNGSBERG-Expertenteam:
Herausforderungen von ViDA:
Welche Herausforderungen kommen auf Sie und Ihr Unternehmen durch die ViDA-Initiative zu? Auch das kommt ganz auf Ihre Ausgangslage an.
Für Sie sind die beiden E-Rechnungsformate XRechnung und ZugFeRD kein Fremdwort mehr? Prima, denn beide stellen „Vida-konforme“ E-Rechnungsformate dar. Sie möchten mehr zu den Rechnungsformaten wissen? Dann informieren Sie sich gerne in folgendem XRechnung vs. ZugFeRD Blogartikel, in dem wir beide Formate miteinander verglichen haben.
Auch die Frage der Implementierung bzw. Eingliederung der ViDA-Regelungen in Ihre bestehenden Unternehmensprozesse kann, je nach Ausgangslage und internem Wissen, eine Herausforderung darstellen.
Zudem könnten Unternehmen zwei unterschiedliche Meldesysteme verwenden müssen, je nachdem ob es sich um nationale oder internationale Transaktionen handelt. Dies hätte einen erheblichen Mehraufwand für Unternehmen zur Folge. Auch kommt für international agierende Unternehmen erschwerend hinzu, dass neben ViDA häufig noch national zu implementierende Vorschriften oder neue Richtlinien zu beachten sind.
ViDA: Ein Fazit:
Die Abkürzung ViDA steht für VAT in the Digital Age und stellt eine ambitionierte, aber überzeugende Initiative dar, welche von der Europäischen Kommission mit dem Ziel initiiert wurde, veraltetet MwSt- Vorschriften zu erneuern und zu modernisieren. Dies soll u.a. zu vereinfachten Steuervorschriften für Unternehmen führen und den Steuerbetrug effizient bekämpfen.
Unternehmen sollten sich über die ViDA-Umsetzung informieren und ihre internen Prozesse entsprechend anpassen. Zum Beispiel wird ab 2028 E-Invoicing für B2B-Transaktionen EU-weit verpflichtend und der Versand von Rechnungen in Papier- sowie PDF-Form entfallen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie sich entweder technischen Herausforderungen selbst stellen bzw. mit einem starken E-Invoicing Partner wie HÜNGSBERG zusammenarbeiten sollten, um rechtzeitig alle rechtlichen und operativen Voraussetzungen zu erfüllen und Ihren Geschäftsablauf nicht zu gefährden.
HÜNGSBERG hilft Ihnen bei der ViDA-Umsetzung und Beratung
Als erfahrener E-Invoicing Dienstleister unterstützen wir Unternehmen bei der Anbindung und Übertragung digitaler Daten an die Meldesysteme. Unsere Experten helfen Ihnen umfassend, schnell und verlässlich – unabhängig von Ihrem intern vorhandenen technischen Know-How und Belegaufkommen!
Zudem helfen Ihnen unsere EDI-Consultants bei einer detaillierten Prozessanalyse im Unternehmen sowie der Prüfung eventueller Berichtspflichten. Ob E-Invoicing oder EDI-bzw. ERP-Schnittstellen, mit dem HÜNGSBERG Consulting-Service schaffen wir die Basis für SIE, geeignete, rechtlich korrekte Maßnahmen für einen automatisierten Datenaustausch mit Geschäftspartnern und Behörden zu implementieren.
Sprechen Sie uns an – gerne unterstützen wir auch Sie mit unserem über 45-jährigen Know-How:
Sie haben Fragen zu ViDA, der E-Rechnung oder EDI?
Dann kontaktieren Sie uns jetzt unverbindlich. Als EDI-Dienstleister mit über 45 Jahren Erfahrung helfen wir Ihnen gerne, schnell und zuverlässig:
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Thema ViDA und EDI:
Ab 2030 müssen Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen an andere Unternehmen in einem EU-Mitgliedstaat verkaufen (B2B), zwingend digitale Meldepflichten erfüllen.
Die Initiative ViDA (= Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter) hat sich die Modernisierung des Mehrwertsteuersystems in Europa zum Ziel gesetzt. Die aktuellen MwSt.-Vorschriften sind veraltet und für eine adäquate Steuerkontrolle nicht mehr ausreichend.
Ziel der ViDA-Initiative ist es, den derzeitigen Mehrwertsteuerbetrug zu bekämpfen, geltende Steuervorschriften zu vereinfachen, den hohen Verwaltungsaufwand zu senken sowie digitale Wirtschaftsfelder abzudecken.
